Liebe Bürger des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt, langsam müsste es Ihnen auch aufgefallen sein, dass unsere Heimatregion von der Landesregierung in Erfurt immer mehr ins Abseits gedrängt wird. Nicht anders ist es sonst zu erklären, dass Saalfeld (sowie auch die Universitätsstadt Jena(!)) vom ICE Netz der Bahn demnächst ausgeschlossen wird. 

Landrätin Marion Philipp, Jenas Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter sowie die Bürgermeister des Städtedreiecks Saalfeld-Rudolstadt-Bad Blankenburg haben an Thüringens Verkehrsminister Christian Carius einen Brief geschrieben, indem sie Anfang September nochmals daraufhin gewiesen haben, wie wichtig die Anbindung der betreffenden Regionen an die ICE Strecke Hamburg-München ist. Wenn die Neubaustrecke Nürnberg-Halle/Leipzig in Betrieb genommen wird, fallen die alten Haltepunkte in Saalfeld/Saale und Jena weg. 

Es ist unbegreiflich wie gerade diese beiden wichtigen Haltepunkte in Zukunft nicht mehr angefahren werden sollen. Jena ist eine Universitätsstadt, die auf eine vernünftige Fernstreckenverbindung angewiesen ist. Aber auch Saalfeld erleidet einen volkswirtschaftlichen sowie einen Imageschaden. Wir befinden uns schließlich in einer Urlaubsregion. Viele Bürger dieses Landkreises sind in der Tourismusbranche tätig und auf Besucher angewiesen. 

Jena hat noch den Vorteil, das es eine vernünftige Autobahnanbindung besitzt und den Wegfall als ICE Haltepunkt so noch in weiten Teilen kompensieren kann. Das können wir in Saalfeld-Rudolstadt nicht. Uns fehlt diese günstige Autobahnanbindung und mit Wegfall des Haltepunktes in Saalfeld wird unsere Region für Urlauber noch unattraktiver.  

Wenn man bedenkt, dass Mitte der 50er Jahre, Züge zwischen Berlin und Katzhütte fuhren, die die Urlauber an ihre Zielorte brachten und Mitte der 70er Jahre zwischen Dresden und Katzhütte täglich D-Züge verkehrten, so liegt die Vermutung sehr nahe, dass bestimmte Personen und Lobbygruppen absichtlich versuchen, unsere Heimatregion vom Rest der "Welt" abzuschneiden. 

Gerne wird damit argumentiert, dass durch den demografischen Wandel, sei es durch Abwanderung oder aber durch Geburtenmangel, es zwangsläufig zu einer Ausdünnung der Infrastruktur kommen müsse. Dies ist jedoch nur heuchlerisches "Politikersprech". Ist es doch nur folgerichtig, dass der demografische Wandel dadurch begünstigt wird, wenn man eine Region unattraktiv macht. Wenn keine Anbindung an Straße und Schiene besteht, werden sich wirtschaftliche Investitionen im Rahmen halten, was wiederum zu Arbeitslosigkeit und Abwanderung führt. Ein Teufelkreis, den alle demokratischen Parteien begünstigen und fördern. Es fehlt der Wille volksfreundliche und zukunftsgewandte Konzepte zu erstellen, um den schleichenden Volkstod entgegenzuwirken. Unsere Politiker sind nicht nur nicht in der Lage, sie wollen(!) auch nichts daran ändern. Das deutsche Volk soll schrumpfen, Regionen sollen möglichst veröden; nur so ist es möglich, ein Brei von Individuuen in einem überschaubaren Gebiet für ökonomische Zwecke zu missbrauchen.  

Das vorsichtige Anfragen nach "Alternativen" durch unsere Landrätin und Bürgermeister im letzten Monat ist daher nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Man hat sich schon lange mit der Entscheidung des Thüringer Verkehrsministeriums und der Bahn abgefunden. Dass man dies seinem Wahlvolk natürlich nicht so vor die Nase setzen kann, sollte jedem bewusst sein. Die nächste Wahl kommt und um wenigstens ein paar Stimmen zu erhaschen versucht man doch noch eine "Lösung" für dieses Problem zu finden und bietet den Menschen eine mehr als fragwürdige Alternative an. 

Die OTZ vom 11.10.11 schreibt hierzu: "Allerdings bietet sich eine verbesserte Nutzung der Regionalverkehrsstrecke Leipzig-Nürnberg an. "Über diese Strecke kann sowohl die Stadt Jena als auch der Raum Saalfeld-Rudolstadt zu attraktiven Bedingungen an die ICE-Verknüpfungspunkte Nürnberg und Leipzig angebunden werden", schreiben die Kommunalpolitiker."

Verkehrsminister Christian Carius ist mit diesem Vorschlag einverstanden und plane "neue, hochwertige, die Zentren verbindende Eisenbahnangebote" für die Standorte Saalfeld und Jena.

Frohnatur Christian Carius, Verkehrsminister in Thüringen

Wer es glaubt wird selig. Selbst, wenn die Regionalverkehrsstrecke ausgebaut werden sollte, ist es keine ICE Anbindung. Wir wissen alle aus eigener Erfahrung, dass die Deutsche Bahn sehr unzuverlässig ist und es oftmals zu Verspätungen kommt. Gerade Pendler sind darauf angewiesen, dass sie ihre Anschlusszüge pünktlich erreichen. Durch diese Scheinlösung ist niemandem geholfen. Auch ältere Menschen und Familien mit Kindern, die vornehmlich unsere Heimatregion als Urlaubsziel auswählen, haben davon nur Nachteile, müssen sie doch die Prozedur des ständigen Umsteigens in Rekordgeschwindigkeit absolvieren.  

Unsere hiesigen Kommunalpolitiker lassen sich davon jedoch nicht beirren und werden auch zukünftig vor der Landesregierung klein beigeben. Es bleibt nur zu hoffen, dass diese bei der nächsten Wahl die Quittung für ihr volksfeindliches Regieren erhalten.

Man stelle sich vor, es ist Wahl und keiner ginge hin!